Das nächste Projekt wartet: Wie getunten Wagen verkaufen?

 

Der Trend zum Tuning ist ungebrochen: Weltweit erwartet die Branche in diesem Jahr einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro; laut aktueller Befragungen gehen die meisten Anbieter von einem weiteren Wachstum in den nächsten Jahren aus. Das hat natürlich auch Folgen für den Bestand aktueller Fahrzeuge, immer häufiger wechseln Wagen den Eigentümer, die bereits nach individuellen Vorstellungen umgestaltet wurden. Was muss beim Verkauf beachtet werden?

Wie marktgerechten Wert getunter Fahrzeuge ermitteln?

Um das Fahrzeug zu einem möglichst großen Erlös zu veräußern, sollte der Verkaufspreis marktgerecht angesetzt werden. Was einfach klingt, ist schon bei Serienfahrzeugen oftmals nicht leicht, für getunte Wagen gelten dabei noch andere Gesetze. Grundsätzlich sollte Klarheit darüber herrschen, dass die Investitionen in das Auto nicht einfach auf den Marktwert des Serienmodells aufgeschlagen werden dürfen. Fraglich ist ohnehin, ob sich Tuning wertsteigernd oder -mindernd auswirkt. Wurden nur minderwertige Zubehörteile wie Auspuffblenden oder Tieferlegungssätze ohne Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) verbaut, wird sich der Marktwert erheblich verringern. Der Käufer wird nicht nur die Kosten für einen Rückbau einkalkulieren, sondern auch unterstellen, dass ein optisch sportliches Fahrzeug auch sportlich gefahren wurde - und das bedeutet unter Umständen eine größere Abnutzung an den Verschleißteilen. Professionelles Tuning hingegen, welches fachgerecht durchgeführt wurde und entweder eine ABE für die Anbauteile mitbringt oder in die Fahrzeugpapiere eingetragen ist, kann sich hingegen durchaus wertsteigernd auswirken. Wie groß der Wertzuwachs ist, wird schwierig zu ermitteln sein. Weil sich vergleichbare Fahrzeuge kaum finden lassen, Marktwerttabellen nur Serienfahrzeuge erfassen und die Kosten der Tuningmaßnahmen auch nicht wieder in die Kasse kommen, sollte das Fahrzeug von einem Gutachter bewertet werden. Durch den realistischen Marktwert wird auf der einen Seite kein Geld verschenkt, auf der anderen Seite schrecken überhöhte Preisforderungen keine potenziellen Interessenten ab. Bei der späteren Preisverhandlung ist ein Wertgutachten zudem ein gutes Argument dafür, auf den avisierten Verkaufspreis zu bestehen.

Abgenutzte Bremsbeläge: Tauschen für Verkauf lohnt kaum

Wurde der Wagen sportlich gefahren, können sich zudem einige Schönheitsreparaturen preissteigernd auswirken. Bei tiefergelegten Fahrzeugen mit Front- und Heckschürze sind Lackschäden nicht selten, breite Reifen erhöhen das Risiko von Steinschlägen. Durch Spotrepair können kleinere Blessuren zu günstigen Konditionen ausgebessert werden. Typisch sind für ein getuntes Fahrzeug auch verschlissene Bremsbeläge und -Scheiben, ein Austausch allein für den Wertanstieg lohnt aber kaum. Dasselbe gilt für die meist schon nach recht geringer Laufleistung abgefahrenen Reifen.

Traumwagen in weiter Ferne: Ernsthafte Interessenten nehmen Anreise in Kauf

Ist der Verkaufspreis des Autos ermittelt, sollten der Wagen online zum Verkauf inseriert werden. Hier wartet die größte potenzielle Käuferschar; für einen ordentlich gestylten Traumwagen nehmen Interessenten auch eine längere Anreise in Kauf. Teilweise nervenaufreibende Preisverhandlungen bleiben dem Verkäufer allerdings nicht erspart. Wer darauf verzichten möchte, findet im Internet Portale, die eine Wertermittlung vor Ort anbieten. Auf dieser Basis wird ein Angebot zum Ankauf unterbreitet, wodurch auf die Preistreiberei privater Interessenten verzichtet werden kann. Alternativ können Verkäufer den Wagen auch Gebrauchtwagenhändlern zum Ankauf anbieten. Hier ist allerdings davon auszugehen, dass ein Ankauf bei umfangreichen Tuningmaßnahmen entweder gänzlich abgelehnt oder nur unter ganz erheblichen Preisabschlägen gebilligt wird - und das hat der Traumwagen doch eigentlich nicht verdient.